Endbericht der Klima- und Ressourcenbilanz (pdf-Datei)

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Klima- und Ressourcenbilanz der Grauen Wertstofftonne

Auswirkungen auf das Klima und den Ressourcenverbrauch
Um einen Gleichwertigkeitsnachweis des Systems Graue Wertstofftonne führen zu können, muss u. a. ermittelt werden, wie sich die geplanten Änderungen auf die Leistungen des Abfallwirtschaftssystems zum Klimaschutz und zur Schonung energetischer Ressourcen auswirken. Der Landkreis Kassel hat dazu eine Klima- und Ressourcenbilanz durch das Ökoinstitut e. V. erstellen lassen.
Zur Bilanzierung des Klima- und Ressourcenschutzes wurde der Status quo für das derzeit bestehende Entsorgungssystem im Landkreis Kassel (Basisjahr 2012) mit dem Stand des Jahres 2003 und Entwicklungsszenarien verglichen. Die Szenarien betrachten einerseits die im Kreislaufwirtschaftsgesetz erwähnte einheitliche Wertstofftonne (Entwicklungsszenario E1) und andererseits das System Graue Wertstofftonne mit verschiedenen Verwertungsvarianten (E 2 bis E 4). Bilanziert wird, angelehnt an die genormte Methode der Ökobilanzierung, das Kriterium Klimaschutzpotenzial (Global Warming Potential - GWP) und beim Vergleich der Entwicklungsszenarien zusätzlich die Schonung energetischer Ressourcen (Kumulierter Energieaufwand - KEA). Die Erfahrung zeigt, dass die Einschränkung auf die beiden Kriterien im Normalfall zulässig ist, da gute Ergebnisse dieser beiden Parameter üblicherweise auch zu Verbesserungen bei anderen klassischen Ökobilanzkriterien, wie z. B. Versauerung, Eutrophierung etc., führt.

Graue Wertstofftonne ist im Landkreis Kassel ökologisch gleichwertig
In Bezug auf das Kriterium Klimaschutzpotenzial (GWP), also eingesparte CO2-Aquivalente, zeigt der ökobilanzielle Vergleich deutliche Vorteile für die Szenarien, bei denen einerseits hohe Wertstoffmengen ausgeschleust und einer stofflichen Verwertung zugeführt und andererseits erhebliche Mengen energiereicher Abfälle im Zementwerk als Brennstoff genutzt werden. Die Ergebnisse sind davon abhängig, welche Ausbringungsraten an Kunststoffen in den einzelnen Szenarien angenommen werden und welche Mengen an Ersatzbrennstoffen im Zementwerk thermisch verwertet werden. Je nach Annahme ist das System einheitliche Wertstofftonne (E1) deutlich oder nur leicht im Vorteil.
In Bezug auf das Kriterium kumulierter Energieaufwand, also eingesparte fossile Energieressourcen, weisen dagegen die Szenarien der Grauen Wertstofftonne (E2 – E4) leichte bis deutliche Vorteile auf.
Die Abbildungen zeigen die entsprechenden Ergebnisse in Bezug auf das Abfallwirtschaftssystem des Landkreises Kassel sowohl für das Jahr 2003 und den Status Quo als auch für die Entwicklungsszenarien. Die blauen und die grünen Balkenabschnitte zeigen die Ergebnisse der Basisbetrachtung bei minimaler Kunststoffausbringung bei E2 und E3. Die gelben Balkenabschnitte zeigen zusätzliche CO2-Einsparungen bei höheren Kunststoffausbringungsraten. Die braunen Balkenabschnitte spiegeln zusätzliche CO2-Einsparungen wieder, die sich im Rahmen der Sensitivitätsbetrachtungen durch einen höheren Anteil von im Zementwerk thermisch verwerteten Stoffen ergeben. Die hellgrünen Balken kennzeichnen eine geänderte CO2-Gutschrift für Braunkohlekraftwerke im Rahmen einer weiteren Sensitivitätsbetrachtung.






Der Vergleich des Status quo mit der Situation der Abfallwirtschaft im Landkreis Kassel im Jahr 2003 vor der Beendigung der Deponierung unbehandelter Haushaltsabfälle zeigt, dass die CO2-Einsparungen (GWP) von ca. 38.000 Mg etwa um das Vierfache angestiegen sind. Die Gutschriften für eingesparte fossile Energien (KEA) haben sich um ca. 70% erhöht. Dies ist im Wesentlichen auf die Vermeidung von Treibhausgasemissionen aus der Hausmülldeponie und die energetische Nutzung der Restabfälle zurückzuführen. Darüber hinaus ergeben sich weitere Vorteile durch die Vergärung von Bioabfällen, die im Gegensatz zur Kompostierung CO2-Gutschriften ergibt, sowie die thermische Nutzung von Grünabfällen.
Demgegenüber sind die möglichen CO2-Einsparungen einer Wertstofftonne (E1) im Vergleich zu einer Grauen Wertstofftonne (E2–E3) marginal – je nach Variante 3348 bis 371 Mg, also ein Zehntel bis Hundertstel der Einsparungen der Jahre von 2003 bis 2012. Selbst bei Verzicht auf das Kunststoffrecycling und weitgehender Verwertung als EBS betragen die Unterschiede lediglich 3.348 bis 997 Mg. Dagegen bestehen beim Kriterium Ressourcenschonung Vorteile für die Szenarien der Grauen Wertstofftonne. Insgesamt ist eine ökologische Gleichwertigkeit gegeben.
Vor diesem Hintergrund macht die Einführung eines zusätzlichen Sammelsystems im Landkreis Kassel, wie die Wertstofftonne, mit seinen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen keinen Sinn. Andere abfallwirtschaftliche Maßnahmen, wie z. B. die Steigerung der Papiererfassung um 10 % durch Verdichtung der Sammelbehälter oder die Erfassung von Kunststoffen im Sperrabfall und auf Recyclinghöfen, erreichen die gleichen CO2-Einsparungen mit erheblich geringeren Mitteln.
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